Dienstag, 14. Mai 2013

Riga kulinarisch

Vor zwei Wochen habe ich als Dozent an der Stockholm School of Economics in Riga mit Studenten zu Kulinarik und Luxus gearbeitet. Zwischen den Workshops hatte ich glücklicherweise selbst etwas Zeit mich durch die lettische Hauptstadt zu probieren. Hier also ein paar schmackvolle Eindrücke...




























Der Zentralmarkt Riga (Rīgas Centrāltirgus) ist der größte Lebensmittelmarkt Lettlands. In den ehemaligen Luftschiffhallen wird auf 72.300 m² Gemüse, Fisch, Fleisch, Brot, Käse und vieles mehr verkauft. Ein halbe Halle ist allein den Sauerkonserven gewidmet, die ich in einer solchen frischen Vielfalt noch nicht gesehen habe. Jeder Händler / jede Händlerin hat dort eine kleine eigene Butze, vor der die handgemachten Spezialitäten aufgetürmt stehen. Man findet eingelegte Gurken, Sauerkraut, Möhren, Zwiebeln und andere Gemüse in Gläsern, Glasvitrinen, Eimern und Schüsseln. Nachgelegt wird aus großen Holzfässern, die hinter den Händlern stehen. Die Kunden stehen in kleine Schlangen, vor den Buden, fachsimpeln und probieren sich durchs Angebot.



Neben der Vielfalt an Sauerkraut und weiterem Eingelegtem begeisterte mich vor Ort vor allem der frisch eingemachte Meerrettich, den es in kleinen Gläsern überall zu kaufen gibt (auf dem Foto rechts unten). Dieser hat eine leicht süßsaure Note, eine spät zündende Schärfe und lässt den hier zu erhaltenden Meerrettich fast eintönig erscheinen. Allgemein ist es beeindruckend zu sehen, wie viel Unterschiede es bei handwerklichen Sauerkonserven geben kann. Allein bei eingemachten Gurken scheint in Riga die Vielfalt unendlich.





Auch Knoblauch und bündelweise Lauchzwiebeln werden in Lake eingelegt.

Die Rigaer Sprotten sind seit jeher eine bekannte Spezialität aus Lettland, die einem auch auf dem Zentralmarkt häufig begegnet. In der Fischhalle findet man sie Kistenweise und bekommt sie abgezählt in Papier eingeschlagen verkauft. Man findet Sprotten aus Riga auch als Dosenware im Laden. Sogar in Deutschland habe ich sie schon im "russischen Regal" im Supermarkt gefunden. Geschmacklich sind die Dosensprotten jedoch nicht mit der frisch geräucherten Ware zu vergleichen.



Die schmackhaftesten Entdeckungen lieferte jedoch ein Erzeugermarkt in der Mitte von Riga, den ich auf dem Weg zum Zentralmarkt entdeckte. Er findet einmal im Monat statt und liegt etwas versteckt in einer Passage. Er besteht aus Ständen regionaler, handwerklicher Erzeuger, die zum Großteil biologisch wirtschaften.


Am Stand von Svetes Maize begegnete mir zum ersten Mal das typische lettische Roggenbrot, mit der schwarzen Kruste aus dem Buchenholzofen, das hier fast ein Nationalheiligtum.
Im Supermarkt habe ich später knautschige Kopien davon gefunden, die jedoch nur noch optisch etwas mit der Spezialität zu tun hatten.
Geschmacklich zeichnet das Brot eine feine Süße und ein feiner Karamellton aus.












Kleine Gebäcke in Halbmondform (Piragi) sind mir ebenfalls häufiger in Riga und auf dem Erzeugermarkt begegnet. Gefüllt sind diese Herzhaft-saftig mit Räucherspeck, Zwiebeln und Lauch.









Dieser Herr mit Hut ist Bio-Bauer und war auf dem Markt mit Hollunder-Produkten und tollem Apfelsaft vertreten.
Nachdem klar war, dass der neugierige Mann mit Hut aus Deutschland kam stellt der Bauer mich reihum den anderen Produzenten vor und dolmetschte mich durch die folgenden Verkostungen.

Einige der Erzeuger erzählten von Verwandten aus Deutschland auch eine Mundraub-Geschichte aus der DDR habe ich erzählt bekommen. Ein Sanddorn-Plantagen Besitzer erinnerte sich lebhaft an seine Zeit in Weimar wo er sein Gewehr eines Tages am Zaun abstellte und Äpfel in einem Garten stahl. Er wurde entdeckt und flüchtete mit einem Bauch voller Äpfel in die Kaserne.


Tiefdunkel geräuchert ist die Wurst aus bäuerlicher Herstellung. Erinnert hat sie mich an die Polnische Kiełbasa. Auch in Lettland spart man nicht an Knoblauch.




Eine Art milchsauerer Rahm, hier aus der Hand der Bäuerin, ist ebenfalls typisch für die Region. Auf dem Markt habe ich ebenfalls den phantastischen, recht jungen Käse gefunden, der von Slow Food Riga vor dem Aussterben bewahrt wird.



Ruta Grauduza und Steffen Müller machen tollen Ziegenkäse in der Nähe von Riga, der entweder pur oder mit zahlreichen Gewürzen gemischt angeboten wird. Spannend fand ich die süße Version mit Zimt und Rosinen.








Zu guter letzt gab's noch einen lettischen Bio-Burger vom Kalb: frisch vom Grill mit Röstzwiebeln und einer heimischen Preiselbeersauce
Frisch und auf den Punkt gegrillt von den Jungs vom lettischen Eco Catering.


Freitag, 10. Mai 2013

wurstsack @ Galerie AK1



Video der kulinarischen Aktion in der Galerie Ak1 in Stuttgart in 2012. Geerntet wurde bei Bio-Bauern in der Region Stuttgart. Geschnippelt und gekocht wurde für 12 Stunden in der Galerie AK1 unter Einbeziehung der Besuchern der Ausstellung.

Kamera: Andreas Körner & Team

Aus der Galerie AK1 ist mittlerweile die Galerie AK2 geworden: http://www.galerie-ak2.de
Andreas Körner hat eine alte Bäckerei in eine Galerie verwandelt. Ein spannendes Interview über den Umbau bei dem auch das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle spielte findet Ihr bei den german-architects.com.

Auch für 2013 steht wieder eine kulinarische Aktion in den Räumen der AK2 an, keep you posted....
.

Montag, 29. April 2013

Der kulinarische Patient - Text im REVUE Magazine


Im aktuellen REVUE Magazin zum Thema "Communities" findet Ihr einen Artikel von mir, der sich mit der aktuellen kulinarischen Krise, gemeinschaftlichen Lösungsansätzen und Zukunftsaussichten beschäftigt.

Hier findet Ihr einige Text-Ausschnitte aus meinem Artikel...



Der kulinarische Patient







Die Wunde 

Essen kommt aus dem Supermarkt. Lebensmittel fliegen dort von irgendwoher ins Regal und landen schließlich in unseren Küchen und auf unseren Tellern. Lebensmittel sind zu UFOs geworden. Unidentified Food Objekts. Wir wissen all zu oft weder woher das Lebensmittel kommt, noch wer es hergestellt hat oder was dazu notwendig war, um es herzustellen.Wer seine Lebensmittel auf den Wochenmarkt kauft, kann sich als romantischer Exot verstehen, denn der Einkauf beim Erzeuger ist die Ausnahme. Nur noch wenige Stadtmenschen kennen einen Bauern. Die Norm ist der anonyme Wareneinkauf am Regal.

( . . . )

Immer seltener wird in immer weniger Familien regelmäßig gekocht. Der Esstisch als zentrales Einrichtungsmöbel verliert an Bedeutung. Gegessen wird nebenbei, auf dem Weg, zwischendurch, häufig allein und ohne Gemeinschaft aus Alupresspappe und derTiefkühltruhe. Nahrungsmittelkonzerne stellen sich auf den Trend der Wohnung ohne Küche ein.

Einher damit geht die Erosion des Kochwissens, das über Generationen weitergegeben wurde. Wenn ein hochausgebildeter Akademiker heute seinen Kindern mehr als 10 Gemüsesorten nennen kann, ist das viel. Mit dem Steak vom Kobe-Rind und den gebratenen Jakobsmuscheln vom letzten Geschäftsessen lässt sich unterdessen gut der Status untermauern. Was ein Teltower Rübchen ist oder wie eine Kerbelrübe schmeckt ist jedoch weitgehend unbekannt. Man kocht viel lieber »Asia« oder »Mediterran« aus dem Discounter mit Würzmischungen von telegenen Kochgurus, die gleichzeitig Werbung für Fast-Food Konzerne und Fitnessstudios machen. Kochmagazine und Kochsendungen haben Hochkonjunktur. Doch die kulinarische Pornografie auf allen Kanälen führt nicht dazu, dass mehr Familien zusammen essen, sondern gleicht vielmehr einer mediale Selbstbefriedigung bei eigener geschmacksästhetischen Phantasielosigkeit. Die aktive und alltägliche Kochpraxis fehlt.

( . . . )

Heilungschancen?

 Anfänge, die sensibilisieren und ein neues Verhältnis gegenüber Lebensmitteln schaffen, sind gemacht. Die ersten Konsequenzen sind ebenfalls spürbar. Doch so beruhigend diese ersten Pflaster wirken, braucht es gleichzeitig ein Verständnis der umgebenden Realität, die immer noch zu gut 95 Prozent der Fälle bestimmt, was auf dem Teller und im Magen landet. Wer verkapselt in Insellösungen denkt und selbstgefällig agiert, findet sich schnell in einer Sackgasse. Es braucht die Konfrontation mit der Komplexität von Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung.




Die gemeinsame Agrarpolitik der EuropäischenUnion (CAP), deren Subventionen für die generelle Entwicklung auf dem Acker und somit auch auf unserenTeller immer noch entscheidend ist, geht in eine andere Richtung, als Biomarkt und Urban Gardening glauben lassen. Es wird immer noch auf eine Erdöl- und pestizidintensive industrielle Landwirtschaft mit all ihren Folgen gesetzt.

Nahrungsmittelproduzierende Betriebe geraten gegenüber denjenigen, die auf das Verbrennen von Lebensmitteln setzen, finanziell in Nachteil. Doch in endlosen Maislabyrinthen und auf toten Böden, wie sie uns bevorstehen, wird nur schwer Platz für einen gemeinschaftlichen Gemüsegarten sein.

Nur 6 Prozent der deutschen Bauern ist heute noch jünger als 35. Die Mehrheit der alten Bauern in Deutschland hat die Hofnachfolge noch nicht geregelt. Jungbauern, die hochmotiviert und mit neuen Ideen und Konzepten auf dem Acker durchstarten wollen, finden kein bezahlbares Land. Landgrabbing, also die Landnahme in großen Ausmaßen durch Investoren oder große Konzerne, ist nicht nur in Afrika, sondern mittlerweile auch in Brandenburg und Bayern ein Problem.

»Meinen Acker kann ich nicht in eine Kiste verfrachtenund einfach damit abhauen.« gab ein Bauer dem Autor einst mit auf den Weg, als er mit ihm über Urban Gardening sprach. Für ihn gehört zur Landwirtschaft elementar die Verantwortung für die eigene Scholle.

Und noch eins: Kulinaristik ist nach wie vor kein Schulfach. Ein profundes Wissen über die eigene Ernährung und deren eigenständige Zubereitung gehört bislang zu keinem einzigen Schulabschluss. Wer nicht begreift, dass zur gemeinschaftlichen Horizonterweiterung Kochen genauso wie das Erlernen einer Fremdsprache gehören muss, bringt den kulinarischen Wissenstransfer zum veröden und überlässt ihn Fast-Food Gurus auf Flachbildschirmen. Den inzwischen globalisierten Gemüseeintopf mit Bockwursteinlage wieder zu re-lokalisieren, verbunden mit der Fähigkeit diesen eventuell selbst auch ernten und kochen zu können, wird kein leichter Weg sein und erfordert neben einem gemeinschaftlichen Produktions-, Einkaufs- und Genussengagement auch ein politisches Engagement.

Es erfordert eine Wiederverbindung mit denen, die Lebensmittel anbauen, ernten, verarbeiten und kochen, denn diese Verbindungen scheinen zu großen Teilen gekappt. Am Ende wird es aber immer eine Gemeinschaft am Tisch erfordern, die bei einem guten Essen zusammensitzt. Denn bei einem gehetzt verschlungenem Burger werden keine sättigenden Ideen sprießen und keine neuen Kräfte für einen gemeinsamen Wandel entstehen.


Das REVUE Magazin bekommt ihr im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder online. Im Magazin finden sich auch Artikel von Maxim Biller, Jay Cousins, Peter Kruse, Alex Hillmann, Charles Snow und Shaun Abramson. Das Cover stammt aus der Feder (oder besser Schere) von Rachel Libeskind.

.



Montag, 22. April 2013

Liebes „Perfektes Dinner“,

für eine Spezialrunde der Sendung „Das perfekte Dinner“ suchst Du „Hobbyköche und Foodblogger, für die Kochen nicht nur ein tägliches Muss darstellt.“ 

„Sie lieben es,“ fragst Du mich, „Ihre Leser an ihrer Leidenschaft teilhaben zu lassen und geben gerne kulinarische Tipps? Sie möchten mit Ihren Fähigkeiten am Herd nicht nur andere Foodblogger, sondern auch die Fernsehzuschauer überzeugen?“

Damit triffst du eigentlich voll ins Schwarze. Für mich ist Kochen tatsächlich mehr als „ein Muss“ und ich rede gerne über gutes Essen – auch gerne vor dem Mikrophon oder der Kamera. Alles aus der puren Leidenschaft heraus andere an meinen Entdeckungen teilhaben zu lassen und im positiven Sinne für Genuss zu begeistern.

Leider habe ich nach der Lektüre Deiner Zeilen meine Zweifel, dass Du genau das mit mir vorhast. Nicht nur im Kreise meiner Leser, die ich nach Deiner Anfrage befragt habe, ob ich Dich zu mir nach Hause einladen soll, sondern auch bereits bei anderen Gästen an Deiner Tafel hast Du Dir einen eher zweifelhaften – ja gegenteiligen – Ruf erworben. Du bist demnach wohl mehr eine Klatschkulumnistin, die aus dem privaten Esszimmer ein inszenierte Dschungelcamptafel macht als eine inspirierende Tafelrunde, auch wenn bei Dir höchstwahrscheinlich keine Krokodilaugen serviert werden. Dennoch wird aus dem bewussten Fleischesser, der sich für eine verantwortungsvolle Tierhaltung einsetzt schnell der blutrünstige Vegetarierhasser, der am liebsten blutiges Steak für alle servieren will.

Kochen ist für Dich vor allem ein Wettbewerb bei dem es Gewinner und Verlierer geben muss, genauso wie Intrigen, Hinterhalt und Missgeschicke. Vor allem muss vieles zugespitzt werden. „Sonst ist wird es ja auch nicht spannend“ antwortest Du als Fernsehmensch sicher auf diese Bedenken. Ich glaube allerdings, das, was ich an einem „perfekten Dinner“ spannend finde würde, interessiert Dich überhaupt nicht.

Das nicht nur ich so denke, sondern schon andere Teilnehmer diese Erfahrung machen mussten kann man bereits im Netz nachlesen und hinter den Kulissen erfahren. Wie schwer Du es hast Mitmacher unter den Food-Bloggern zu finden erfährt man ebenfalls. Das, liebes perfektes Dinner würde mir zu denken geben.

Wir, die sogenannten Foodblogger, sind glaube ich schon einen Schritt weiter und laden lieber Menschen, Radio- und Fernsehmacher an unsere Tische, die es ernst meinen und vor allem uns ernst nehmen. Menschen und Medienmacher von denen man sich sicher ist, dass sie nicht an der nächsten Straßenecke gehässig über uns lästern oder bei denen man befürchten muss, dass sie einen nachträglich zum nerdigen Trottel oder zur nervigen Tussi stilisieren damit sie etwas Spannendes zu erzählen haben.

Wie spannend Essen sein kann, wenn man wirklich Interesse dafür hat, was auf dem Teller liegt, was dahinter steckt und wie man es zubereitet kannst Du in unseren Blogs nachlesen. Wir inszenieren hier nicht und brauchen auch keine Nebensächlichkeiten in die Höhe jazzen damit es spannend wird. Wir sind natürliche und keine inszenierten Persönlichkeiten. Von dieser Realität bist Du bislang meilenweit entfernt.

So, liebes perfektes Dinner, bleibt es bei einer Absage meinerseits.

Dennoch würde es mich freuen mit Dir über ein Format nachzudenken, dass kulinarische Leidenschaft für die Fernsehzuschauer spannend macht, ohne dass man es nachträglich spannend machen muss. Dazu lade ich Dich gerne zu einem Dinner an meinen Tisch ein. Ob es perfekt wird weiß ich nicht – aber es wird lecker sein, da bin ich mir sicher!

.

Mittwoch, 20. März 2013

Einladung zum 3. kulinarischen Bloggertreffen auf dem Markt des guten Geschmacks, Messe Stuttgart

Liebe kulinarische Bloggosphäre und Webgemeinde,

es ist wieder soweit. Letzte Woche kam das grüne Licht von der Messe Stuttgart für das inzwischen dritte kulinarische Bloggertreffen auf dem "Markt des guten Geschmacks" in Stuttgart!

Das Blogger-Treffen findet dieses Jahr erstmals am Samstag, den 13. April 2013 statt. Diesmal wollen wir ähnlich wie beim Bloggertreffen in Bremen mit einem kleinen Programm in den Tag starten. Los gehts diesmal schon um 10:30 Uhr im Pressezentrum mit der Vorstellungsrunde und der Begrüssung durch die Messe Stuttgart und Slow Food Deutschland.

Nach dem Zusammenkommen ist wieder ein exklusiver Rundgang zu Ausstellern geplant, bei dem die Aussteller der Messe ihre Produkte vorstellen werden und uns hier und da von ihren Produkten kosten lassen werden. :)
Ausklingen wird der Abend wahrscheinlich wieder in der Vinothek auf der Messe.

Dazwischen gibt's natürlich viel Zeit zum Selbsterkunden der Messe.

Zum Bloggertreffen laden Slow Food Deutschland, die Messe Stuttgart und ich wieder alle kulinarischen Blogger und Webaktiven ein, die im Web über Kochen, Kulinarik und Lebensmittel sowie deren Konsum oder deren Herstellung, Verarbeitung uvm. bloggen, twittern, instagrammen, facebooken ....

Alle Teilnehmer können sich mit ihrem Kombi-Ticket frei auf der Slow Food Messe und den vier Parallelveranstaltungen bewegen und umschauen. Für alle akkreditierten Teilnehmer sind der Eintritt zum Messeverbund und Zugang zum Internet vor Ort frei! Dieses Jahr dürfen wir uns auch im Pressezentrum aufhalten, falls jemand mal eine ruhige Minute zum schreiben braucht :). Das Treffen steht allen Bloggern rund um den Themenkomplex „Kulinarik und Nachhaltigkeit“ offen.

Die Slow Food Messe „Markt des guten Geschmacks“ versammelt einmal im Jahr viele der besten Produzenten, Köche und Aktiven der Szene aus ganz Deutschland in Stuttgart.
Neben der Ausstellung gibt es viele weitere Programmpunkte vor Ort. Zum Beispiel die Kochwerkstatt, viele Geschmackserlebnisse, Verkostungen und die Weinseminare. Bei einigen Veranstaltung muss man sich vorher anmelden, also schaut schon mal vorher rein, was interessant für Euch sein könnte.
Wer die Messe noch nicht kennt findet hier weitere Infos: www.messe-stuttgart.de/slowfood

Anmeldung 

Wer dabei sein will schickt bitte so schnell es geht eine E-Mail mit dem (richtigen) Namen und der Adresse des eigenen Blogs oder Twitter-Accounts o.ä. sowie die Postadresse an Anna-Lena Bucher von der Messe Stuttgart  anna-lena.bucher@messe-stuttgart.de .

Schön wäre es zudem, wenn ihr Euch mit einem kurzen Kommentar unter diesem Post ankündigt!
Anna-Lena, die dort das Bloggertreffen koordiniert, wird kurz nachschauen ob Euer Blog / Twitter Account o.ä. wirklich existiert und ob er lecker ist ;-).  Die Teilnahme wird Euch dann kurzfristig per E-Mail bestätigt. Die Karten inkl. der Akkreditierung werden kurz vor der Messe per Post verschickt.

Ich freue mich darauf viele von Euch live zu treffen und mit Euch auf einen inspirierenden genussvollen Abend in Stuttgart!

Möge es so rocken wie beim letzten Mal ;) ....



Dank an Sven für die Bewegtbilder vom letzten Mal
.

Montag, 4. März 2013

Es gibt keine Nicht-Köche

"Bist Du eigentlich Koch", werde ich in letzter Zeit häufiger gefragt.
Ja, ich bin Koch – so wie jeder von uns Koch oder Köchin ist. Es gibt keine Nicht-Köche. Jeder muss sich sein Essen zubereiten. Ob nun im Topf oder in der Mikrowelle.
Das einzige, was den einen vom anderen Koch unterscheidet ist die Häufigkeit oder die Intensität der Beschäftigung mit dem, was man sich tagtäglich einverleibt. Der eine Koch kocht für 1000sende, die andere Köchin "nur" für ihre kleine Tochter. Die geringe Zahl der Bekochten oder die Anzahl der Gänge ist jedoch kein Grund sich als minderwertiger Nicht-Koch zu begreifen. Kochen gehört zu uns wie die Sprache. Mundfaul kann man von Zeit zu Zeit sein, das Sprechen verlernt man deswegen nicht.

Beim Kochen haben wir uns allerdings an beständig brüllende Großmäuler gewöhnt.
Deswegen stumm zu werden habe ich nicht vor, auch wenn ich dem ein oder anderen bisweilen gerne zuhöre.
Sprechen lernt man durch Sprechen - beim Kochen verhält es sich ähnlich.
Einfach die Klappe zu halten und die anderen reden zu lassen ist hier, wie da keine gute Option.

Foto: ©Udo Tremmel
.

Sonntag, 3. März 2013

wurstsack @ Bogk Bier Berlin

Im Keller eines Wohnhauses in Kreuzberg braut Andreas Bogk Bier. Als wir die Treppe hinabsteigen riecht es immer mehr nach frisch aufgekochtem Malz. Im Gang zur gefließten Bier-Küche stapeln sich Holzkisten in denen viele Flaschen, noch unettiketiert, lagern. Gerade wird der nächste Sud gekocht, erfahren wir vom Brauer Bogk, der uns kurz durch die Räume führt.

Ich kenne Andreas Bogks Stimme. Vor einiger Zeit habe ich viel über Bier gelernt und zwar in einem Podcast. Über drei Stunden hat Andreas Bogk zusammen mit Tim Pritlove von der geernteten Gerste bis zum fertigen Getränk (fast) alles erklärt, was man wissen muss um ein aufgeklärter Biergenießer zu werden, der ein handwerkliches, aromatisches Bier von langweiliger Industrieplörre unterscheiden kann.




Die kleine Mikro-Brauerei nahe des Kreuzberges in Berlin hat sich Andreas Bogk erst vor eine paar Monaten selbst zusammengezimmert. Unterstützt wurde er dabei von zahlreichen Bier-Freunden, die er per Crowdfunding zur Rettung der Berliner Weiße bewegen konnte. Um die Berliner Weiße, ein regionaltypisches Bier, geht es ihm neben den anderen Sorten, die er hier braut, im Besonderen. "Vor dem Aussterben" bewahren will er diese Spezialität, die im traditionellen Brauverfahren keiner mehr herstellt. Das Bier kam früher "lebendig in die Flasche, wo es durch Flaschengärung und unter Beteiligung der “Faßhefe” Brettanomyces sein typisches Aromabukett entwickelte." Bei den heutigen Industriebieren ist das nicht mehr der Fall. Was auf der Strecke bleibt ist der Geschmack.



Frisch aus dem Reifefass zwickelt uns Andreas Bogk noch etwas vom Maifestbier. Den Hopfen für sein Bier bezieht er direkt vom Bauern aus Franken.


Die Produktion im Kreuzberger Braukeller läuft langsam an. Verkauft werden soll das Bier vor allem online. Ich habe eine der letzten beiden Flaschen Lagerbier von Sud 4 erwerben können.
Von der Berliner Weiße durfte ich nicht probieren. Die ist zunächst reserviert für die zahlreichen Unterstützer, denen die Rettung zu verdanken ist. 

Noch vor kurzem war Andreas Bogk sogenannter "Hobbybrauer" nun, nach dem Umbau, betreibt er eine  reguläre Brauerei - eine Mikrobrauerei.

Der Ausstoß mag Mikro sein der Geschmack ist auf jedenfall Makro! 

Prost!



.

Dienstag, 19. Februar 2013

Mit Bio fix was Tolles zaubern

"Bestes neues Produkt" der BioFach 2013 ist ein Fixprodukt für Spätzle.
Nun gibt es bereits vieles "in Bio", an das man vor Jahren noch nicht gedacht hätte. Neben der "Tiefkühlkost für Feinschmecker und Genießer" gibt es mittlerweile auch "Bio-Premium-Convinience", Bio-Popcorn für die Mikrowelle und Mini-Bio-Kartoffeln zu je 5 Stück in Plastiktütchen eingeschweißt - ebenfalls in 7 min. fertig in der Mikrowelle (s.u.).

Das mag es alles geben und mehr oder weniger die Folge davon sein, dass Bio bekannter und größer wird.
Es ist jedoch die Auslobung als "Bestes neues Produkt", als Vorbild für eine Branche, die mich schockiert.
Einer der Teige, der am schnellsten in der Küche zubereitet ist – einer der Teige, der vermutlich noch am meisten per Hand und mit frischen Zutaten traditionell in den Küchen dieses Landes zubereitet wird, droht jetzt das Garaus. Durch wen? Die Bio-Bewegung natürlich. Könnte man polemisch behaupten.
Ein Bewegung die sich weltweit gegen Abhängigkeiten der Bauern von Saatgutkonzernen und Pestizidherstellern auflehnt und auf Unabhängigkeit und Freiheit auf dem Acker setzt scheint diese Werte in der Küche mittlerweile vergessen zu haben.
Fertiggerichte und Convinience Produkte machen in erster Linie abhängig. Wer durch Fix-Produkte in der Küche verdummt wird, verliert die Fähigkeiten sich selbst und diejenigen um sich herum eigenständig zu ernähren. Er wird abhängig vom Kauf der Produkte und des Maschinenparks, der notwenig ist diese zu erhitzen, aufzutauen oder zu regenerieren. Neben der Beschleunigen der Erosion des allgemeinen Kochwissens führen diese Produkte auch dazu, das Bio-Essen teurer wird. Wer also sagen will, man könnte sich mit biologischen Lebensmitteln günstig ernähren, verliert seine Argumentationsgrundlage. Mit Fertigprodukten wird dies nicht möglich sein, das geht nur frisch gekocht.


Kinder, die mit diesen Produkten aufwachsen werden in Zukunft bei den Aktionen des Slow Food Youth Networks auftauchen und nicht mehr wissen, wie einfach es ist Eier mit Mehl und Wasser zu verrühren und dann mit einem feuchten Messerrücken in den Topf zu schieben. Sie werden sich wundern warum es keine fertigen Tüten zum Drücken in der Küche gibt und dass obwohl es zuhause immer "Bio" gab.

"Warum machen wir die Spätzle nicht mehr selbst ?"
fragt das Kind die Mutter.
"Weil es die jetzt auch fertig in Bio gibt."
Das ist keine Antwort für die Zukunft.


P.S. ..dass es auch spannende und wohlschmeckende Neuheiten auf der BioFach 2013 gab, mag man unter www.instagram.com/wurstsack nachvollziehen.
.

Freitag, 1. Februar 2013

Was man für 7 Cent ins Brötchen gebacken bekommt

Hier stirbt ein Teil unserer Kultur vor unseren Augen. Live und mittlerweile an jeder Straßenecke.

In unseren Broten und Brötchen finden sich neben Pestizidresten mittlerweile spezielle und hochwirksame Enzyme, die u.a. aus Fliegenpilzen und mit Hilfe von gentechnischen Prozessen gewonnen werden (siehe Doku). Alles um Maschinen zu füttern, die mit "unbehandeltem Getreide" sprich einfach gemahlenem Getreide nicht mehr weiter laufen wollen.
Das ist Normalität und nicht die Ausnahme.

Letzte Woche saß ich noch unter den letzten Mohikanern im Institut für Getreideverarbeitung in Potsdam und habe mir diese, auch für mich recht schockierende, "Normalität" schildern lassen. Eine "Normalität" gegen die sie Tag für Tag bestehen müssen. http://www.die-baecker.org

"1995 gab es noch 25.000 Bäcker in Deutschland - 2013 sind es noch 13.000 Bäcker - Tendenz fallend"

Tut mir einen Gefallen: Geht zu Eurem Handwerksbäcker, wenn ihr noch einen kennt, der durchgehalten hat und noch selber bäckt - er ist einer der letzten. Backt Euer eigenes Brot und stellt Fragen! Sonst wird auch Brot eine Geschichte sein, die wir unseren Kinder nur noch erzählen können.

P.S. Das 7-Cent Schrippenfoto habe ich nahe Leopoldsplatz im Berliner Wedding gesehen.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Lieber Stephan Becker-Sonnenschein

Sie sind frisch gebackener Geschäftsführer des gerade neu gegründeten Lobbyverbandes "Die Lebensmittelwirtschaft", der den stark angekratzten Ruf der Ernährungsindustrie wieder reinwaschen soll.

"Das Imperium schlägt zurück" titelte eine Zeitung anlässlich der Gründung, die als Reaktion auf frustrierte Verbraucher gesehen wird, die es satt haben von der Branche getäuscht und verraten zu werden.
Bei der Berliner Mittwochsgesellschaft der MetroGroup, die ich heute Abend besuchte, wurden Sie vom Podium aus gefragt, wie Sie Ihre Aufgabe angehen wollen. "Es geht uns um ein Miteinander", antworteten Sie. Einen Dialog wollen Sie mit den Verbrauchern und allen Beteiligten führen. Sie wollen ins Gespräch kommen.


Klasse, endlich, denke ich und rufe einige Minuten nachdem Sie diese Sätze gesprochen haben Ihren Twitter-Account "@BesterRuf" auf und drücke auf den "Folgen"-Button. Ich hoffe auf den von Ihnen gerade versprochenen Dialog und freue mich darauf Ihre Tweets in Zukunft lesen zu können.
Doch statt einer üblichen Bestätigung, blinkt ein großes "Verboten" auf meinem Bildschirm.
Dererlei Mitleseverbote kommen einem selbst als häufiger Nutzer so gut wie gar nicht unter. Das Dialogmedium Twitter scheinen Sie für sich als Einbahnstraße zu definieren.

Bevor ich auch nur einen Ihrer 8 Tweets lesen kann (diese Funktion haben Sie ja deaktiviert) fühle ich mich in allen Vorurteilen, die ich als Verbraucher gegen "die Lebensmittelindustrie" habe bestätigt. Bei dieser Kommunikationsexpertise, wie Sie sie hier demonstrieren kann ich mir vorstellen wie ihr "Dialog" aussehen wird.  Intransparent, Heimlichtuerisch - eine Einbahnstraße, die die Lebensmittelwirtschaft weiter in eine Sackgasse führt.




Schade, denke ich und werde weiter an die Rebellion glauben. Sie mag Ihnen vielleicht klein erscheinen, doch wie sagte es Meister Yoda im Film "Das Imperium schlägt zurück" :

"Nach meiner Größe beurteilst Du mich?! Aber das solltest Du nicht, denn die Macht ist mein Verbündeter und ein mächtiger Verbündeter ist sie!"

Mit verbotenen Grüßen aus dem Millenium Falken

P.S. Falls Sie den Button suchen sollten, der den Dialog auf Twitter (und anderswo) ermöglicht.
Ich zeige Ihnen gerne wo Sie ihn finden.

Montag, 14. Januar 2013

Wurstportrait: La Mortadella

Die Wurst von Salumificio Pedrazzoli kenne ich aus der Theke der LPG in Berlin und aus einigen kleineren Bio-Läden. Die Mortadella hat einen feinen Geschmack, der etwas an Leberkäse erinnert, jedoch mit feinerer Note. Das Tollste an der Wurst ist für mich jedoch das kernige Fett, dass Biss hat und beim Lutschen dahinschmilzt. Ab und zu platzt ein Pfefferton ins Wurstorchester oder es wandert eine Pistazie vorbei. Insgesamt ein feine und runde Sache, die nichts mit der Supermarktödnis aus der Aufrisspackung zu tun hat. Auch hier machen sich dünne Scheibchen nicht gut. Frei nach Omas Regel sind es die dicke Scheiben oder Würfel, die richtig Spaß im Mund machen.

Ich habe mich gefragt, wo diese Wurst eigentlich herkommt, die mit italienischer Heimat bei uns in der Theke liegt. Wie sieht Bio-Wurstherstellung in Italien heute aus und was heißt Bio dort? Die Firma ist keine kleine Nummer und stellt auch konventionelle Wurst her, also hat mich auch interessiert, wie man auf Bio gekommen ist und was Handwerk in dieser Größenordnung bedeutet. Per Mail hatte ich die Chance einige meiner Fragen an die Chefin Elisa Pedrazzoli loszuwerden. Aus Italien hat sie mir auch ein paar Gesichter zukommen lassen, die hinter der Wurst stehen. Um die hautnahen Wurstportraits habe ich mich natürlich selbst gekümmert.





Wie genießt man in Italien Mortadella traditioneller Weise?
Zu welchen Speisen passt sie ? In welchen Speisen wird sie als Zutat verwendet?

Traditionell genießt man Mortadella sehr fein geschnitten oder gewürfelt, entweder als Fingerfood-Antipasto oder einfach als Brotbelag. In der Küche wird Mortadella auf unterschiedliche Arten verwendet. Man kann sie zum Beispiel fingerdick schneiden und grillen oder auch panieren und frittieren. Mortadella gehört außerdem zu den wichtigsten Zutaten für die Füllung der berühmten Tortellini alla bolognese.

Wie unterscheidet sich die biologische und die konventionelle Herstellung von Mortadella?

Das Fleisch für die Herstellung unserer Bio-Mortadella stammt von Bio-Schweinen aus unseren eigenen Aufzuchten, die sich alle im Umkreis von 6o Kilometern des Unternehmens befinden. Wir produzieren also klimaneutral. Der wichtigste Unterschied zur konventionellen Herstellung besteht darin, dass das Fleisch für unsere Biospezialitäten nicht aus intensiver Tierhaltung stammt. Für die Erzeugung von Bioprodukten werden die Schweine nach ökologischen Prinzipien gezüchtet und erhalten nur Biofutter. Auch alle Zutaten für die Produkte sind aus ökologischem Anbau.

Was finde ich in der Wurst ?

Unsere Mortadella IGP Bologna darf sich als Spitzenprodukt verstehen. Wir verwenden dafür nur beste Zutaten von ausschließlich italienischem Schwein: Fettarmes Schulterstück, Abschnitte von rohem Schinken, Hals, Kutteln sowie gewürfelten, Backenspeck. Zum Fleisch wird außerdem Salz, weißer gemahlener und schwarzer körniger Pfeffer sowie Muskatblüte, gemahlener Koriander und frischer Knoblauch gegeben. Wir verzichten auf Fett und Schwartenemulsion, auf Glutamat, Emulgatoren und den Zusatz von Wasser. Der Salzanteil liegt bei weniger als zwei Prozent.



Wie lange leben die Schweine? Was fressen Sie und wie wird geschlachtet?

Zunächst möchte ich bemerken, dass die Schweinezucht in Italien und vor allem in der Gegend von Mantua auf eine Jahrtausende alte Tradition zurück geht. Denn es gibt Überlieferungen, dass Schweineställe schon in der Etrusker-Zeit existierten. Die Schweine werden in geschützten und gut isolierten Ställen gehalten, die eine gleichbleibende Innentemperatur gewährleisten. Besonderes Augenmerk wird auf die richtige Ernährung der Tiere gelegt. Diese ist darauf ausgerichtet, besonders festes Fleisch zu produzieren, dessen spezielle Qualität für die Herstellung der weltweit einzigartigen italienischen Wurstspezialitäten wichtig ist. In unserer ökologischen Tierhaltung haben die Schweine viel Platz und verfügen außerdem über Strohlager. Sie werden mit Biofutter ernährt und zwar entsprechend ihrem Alter und Gewicht. Die jüngeren, kleineren Schweine zwischen 30 und 80 Kilogramm und vor allem die Schweine mit einem Gewicht zwischen 80 und 160 Kilogramm erhalten hochwertige Rohstoffe wie Mais, Gerste, Weizen, Kleie und Soja, die insgesamt über 90 % des Futters ausmachen. Auch das Alter wird streng kontrolliert: Die Schlachtung erfolgt nicht, bevor die Schweine neun Monate alt sind und ein Gewicht von mindestens 160 Kilogramm erreicht haben. Wir schlachten jährlich 8.000 Bio-Schweine. Da wir auch konventionell gezüchtete Tiere schlachten, werden für die Schlachtung der Bio-Schweine ausschließlich gereinigte Anlagen verwendet, um mögliche Verunreinigungen mit dem konventionellen Produkt auszuschließen. Am Schlachtkörper werden zur Untersuchung auf Keime und Bakterien Kratzschwämmchen an vier Punkten des Tierkörpers eingesetzt: an Schweinsbacke, Schinken, Hüfte und Bauchspeck. Außerdem überprüfen wir an Keule, Bauch und Hals nach Salmonellen und Listerien. Können Schweine ein Terroir-Geschmack haben? Das geographische Gebiet, in dem sich die gesamte Produktion von Salumificio Pedrazzoli entfaltet, einschließlich der Aufzucht, Schlachtung, Verarbeitung sowie Reifung der Produkte (ausgenommen ist hier lediglich die Reifung des San Daniele-Schinkens) liegt im Zentrum der Poebene. Dazu gehören genauer die Provinzen Parma, Mantua, Modena, Reggio-Emilia und Piacenza entlang der nördlichen Ausläufer des Appenin.




















Donnerstag, 3. Januar 2013

Brunklüten

"Rummel, rummel, Froken roken, gevt uns Ossenogen"


Bei uns im Norden gibt es zwischen den Jahren Brunklüten, was soviel heißt wie braune oder gebratene Klöße. Die kleinen Teigbollern sind warm genossen eine Delikatesse. Ich kenne sie von den Tischen der Großeltern meiner norddeutschen Schulfreunde. 

Zufällig habe ich beim weihnachtlichen Besuch in der Heimat diese alte emaillierte Gusspfanne in einem Antiquitätenladen in Cuxhaven gefunden. Sie ist sackschwer und hat 7 halbkugelrunde Vertiefungen. Sie wird im Norden auch als Futtjenspfanne oder Ochsenaugenpfanne bezeichnet.



"In früheren Zeiten wurden die Förtchen oft zu Weihnachten spät abends als letzte Leckerei gereicht, der im Volksmund auch Vullbuksabend („Vollbauchsabend“) genannt wurde. In vielen Familien gab und gibt es spezielle Rezepte, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts eroberten sich die Förtchen auch ihren Platz am Altjahrsabend (Silvester) und verdrängten dort andere Speisen wie den aus Mehl, Honig und Gewürz im Waffeleisen gebackenen Neujahrs-Kuchen.

Beim Rummelpottlaufen, teils noch heute verbreitet und zumeist am Altjahrsabend veranstaltet, zogen verkleidete Kinder von Haus zu Haus, um mit Liedern Süßigkeiten, z.B. die beliebten Förtchen, zu erbetteln.So heißt es in einem Lied aus Hamburg: Rummel, Rummel, Roken, giv mi’n Appelkooken, Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein wäre: Rummel, rummel rutschen, giff mi’n löttje Futtjen! Krieg ik een, blief ik stahn. Krieg ik twee, will ik gahn. Krieg ik dree, wünsch ik Glück, dat de Köksch mit de Futtjes to de Schosteen rutflüggt.


Förtchen-Varianten, zumeist ohne Füllung, soll es bereits im 16. Jahrhundert gegeben haben, wie auch generell die verschiedenen verbreiteten Formen der Krapfen bereits im Mittelalter und sogar im Römischen Reich bekannt waren.


In der zweiten Hälfte des 20. Jh. sind die norddeutschen Förtchen wie viele andere traditionelle Speisen aus der Mode gekommen. Insbesondere an Silvester und Neujahr wurden sie durch die heute überall erhältlichen Berliner Pfannkuchen ersetzt. Eine gewisse Renaissance erleben die Förtchen seit den 1990er Jahren, in denen unter anderem durch die Slow-Food-Bewegung eine Neubewertung der traditionellen regionalen Küchen eingeleitet worden ist."


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Förtchen





Zwischen Heilig Abend und Silvester habe ich mich dann an den Teig gemacht. 

4 Eier
250g Mehl
knapp 250 ml Milch
150 g Butter
Saft und abgeriebene Schale von einer Zitrone
1 Messerspitze 
Salz
2 EL 
Zucker
Fett zum Backen

Milch, Mehl, Salz, Zucker, geschmolzene Butter, Zitronensaft und -schale und die 4 Eigelb sehr gut verrühren. Den sehr steifen Eischnee unterziehen. Förtchenpfanne ausfetten und schnell die Förtchen von beiden Seiten goldgelb backen.

Beim zweiten Versuch habe ich die Hälfte der Milch durch Quark ersetzt – mit tollem Ergebnis.




↑ Restaurant & Imbiss ↓

gesehen in Ramsberg am Brombachsee

Winterbock





getrunken am Brombachsee

Mehr zum Bier auf der Seite der Brauerei

Freitag, 21. Dezember 2012

Auf dem Otterndorfer Wochenmarkt

- oder - Die Gesichter hinter meinem Weihnachtsessen.



Thorsten Haack steht mit seinem Marktstand auf dem Wochenmarkt in Otterndorf. Bei Ihm hab ich unter anderem tollen Rotkohl, viele lütte Pastinaken (wunderbar zum karamellisieren), Schwarzwurzeln und Blumenkohlköpfe bekommen. Er ist Direktvermarkter und baut sein Gemüse vor den Toren des kleinen Städtchens an. Neben tollen Gemüse aus eigener Ernte gibt auch immer einen kleinen Schnack. Das Fest kann kommen.

Was hier an der Nordseeküste sonst noch "auf dem Land" passiert findet man auch in diesem kleinen Faltblatt unter http://www.otterndorf.de/_Tourismus/Flyer/Faltblatt_Auf_dem_land.pdf


Dienstag, 18. Dezember 2012

Kein Rezept für ein Kochbuch

Die Wirklichkeit fängt dort an, wo keine Barcodes mehr zu finden sind, dort wo Dir kein TV-Koch mehr erzählt, was wirklich lecker ist. Dort wo Du Deiner Nase und Deinem Bauch mehr vertrauen kannst als einem Etikett, einer Zusatzstoffliste, oder einem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Diese Welt kennt keinen Abfall sondern nur Menschen und ihre Werke – natürliche Kreisläufe und die Wertschätzung dem gegenüber, was Dich ernährt und was Dir schmeckt. Kochen und Genießen ist eine internationale Sprache zwischen Herd und Teller, die Du lernen kannst - leichter und schneller als Du es Dir vorstellen kannst. Dafür brauchst Du keine Rezepte, kein Studium, keine Gurus nur Deine Sinne und einen Bauch voller Neugier.

Die Küche ist ein Labor für die Alchemie des Alltags – die alltägliche künstlerische Kreativität. Ein endloser Raum für Experimente, Entdeckungen und Überraschungen. Es gibt keine Regeln und Verbote. Lauf los und finde Deinen eigenen Weg aus der Brühe des Massengeschmacks. Der Ausweg liegt näher als Du denkst. Vielleicht draußen auf dem Feld beim Bauern, im Ofen des Bäckers am Ende der Straße oder ganz einfach im Topf Deines Nachbarn.




erschienen im Buch von
Valentin Thurn und Gundula Christiane Oertel
Taste the Waste Rezepte und Ideen für Essensretter
ISBN: 978-3-462-04483-6
2012, 256 Seiten, gebunden



Erhältlich im Buchhandel

Mehr Informationen zur Publikation findet Ihr auch beim Verlag


.