Montag, 1. Dezember 2008

I see

“Staatsoper!“ da geht’s heute Abend hin, wenn die Currywurst runtergeschlungen und der Hbf erreicht ist. "Toll n Brötchen gibt’s auch dazu." freut sich der junge nach eigenen Aussagen „im Kulturellen“ arbeitende Mann am Bistro-Tischchen. Ein fluffiger roter Schal, enge Jeans und eine bunte Hornbrille. Die Wurst wird gerade von der schwitzenden blonden Servicekraft in der olivgrünen Küche erhitzt. Ein Stich mit dem Messer hatte die dünne Haut, des Plastikschlauchs zuvor entjungfert und den roten Wurm mit gleichfarbiger Soße aus dem Zugkühlschrank auf seine Karussell fahrt in der Mikrowelle vorbereitet.
Ein Popel klebt am Display meines Alleskönner Telefons. Auf den Bildschirmen der modernen mit den eigenen Wurstfingern zu bedienenden Telefone sammelt sich allerhand Talg, Fett und allerlei Hautschuppen. Die stecknadelgroßen Löcher in der Hörmuscheln des Wählscheibenfernsprechapparat meiner Großmutter waren auch stets zugetalgt nur musste man dort nicht immer, im Mus, mit seinen Fingern drin rumtouchen um die Wählscheibe in Gang zu setzen. Spezialwerkzeug gibt es in beiden Fällen nicht. Ein Phoneputztuchhersteller würde viel Geld verdienen. Der Mann mit der Hornbrille verdient sein Geld mit tippen auf Plastiktasten seines Flachcomputers. „Ich hör jetzt auf zu arbeiten, Schatz.“ klappt den Aludeckel runter und redet weiter in sein Silikon verpacktes Mobilgerät „Wir sind eh schon am Potsdammer“. We are in Berlin.