Montag, 9. Februar 2009

Resteliste

Jonas habe ich vor der Premiere des Films Terra Madre in der U-bahn getroffen. Er ist Däne und mit seinem eigenen Werk auf der Berlinale und heute Abend auf dem Empfang des Dänischen Filminstitutes, zu dem er mich einläd.

Später am Abend schaue ich noch an der beschriebenen Adresse vorbei. Eine „Admission“ habe ich nicht dafür einen roten Schal, Lackschuhe und ein schwarzen Mantel .
“I’m lookin‘ for Jonas.“ erwiedere ich dem Herren am Eingang und schlüpfe dann ins Innere eines großräumigen italienischen Restaurant, in dem sich hunderte berlinaler Menschen verschiedener Nationen und Professionen drängeln. Jonas und seine Begleitung sind nicht zu finden. Es ist eng und riecht nach Frauenparfüm. Ich quetsche mich durch ein Sprachengewirr zum Buffet. Auf einer Leinwand läuft ein Konzermitschnitt von Lucciano Pavarotti und seinen Freunden, die man sehen aber nicht hören kann. Mit Blicken fange ich an Menschen auf Schubladen zu verteilen: Schauspieler... Regisseur... Produzent... Assistent. Ich spreche verschiedene Menschen an meist draußen, wo unter dem Vordach auf regendurchnässtem rotem Teppich geraucht wird. Manchmal bestätigt sich das Klischee, dann wieder nicht. Die Oberflächlichkeit lässt Experimente zu. Beim Small-Talk bin ich nun mal der Regisseur oder Produzent.
Laura sagt Sie sei Produzentin aus Zürich und freut sich über die kleine Schnecke an meinem Revär. Sie nennt mir nacheinander mehrere ihrer erfolgreichen Schweizer Filme von denen ich keinen einzigen kenne. Ein Lächeln hält das Gespräch in Gang.
Plötzlich meint sie den Schauspieler zu kennen, der sich gerade an uns vorbeiquetscht. Ich bin nun nur noch Nebensache. Stimme und Gestus ändern sich. Der türkisch stämmige Schauspieler kennt Laura jedoch nicht. Es werden mehrere Hauptstädte und Festivals abgeglichen. Ein gemeinsamer Nenner ist nicht zu finden. Sein Gesicht meine ich schon einmal gesehen zu haben. Euro-Cops(?): da war er dabei .

Laura treffe ich 2 Tage später auf der Party der Schweizer Delegation wieder. Arg benebelt im Glitzerkostüm lehnt Sie am DJ-Pult. Erik der DJ über den wir hier reingekommen sind versucht sein bestes scheint jedoch nur mit Madonna einschlagende Erfolge zu verzeichnen. Die Wassertropfen schwitzenden in Schokolade getauchte Mini Bananen auf dem Buffet sehen aus wie kleine Penise. Aus Brötchen und Grissini fange ich an kleine Tiere zu basteln. Die nun wie Kastanienfiguren auf dem Buffet entlanglaufen und sich paaren. Zu dieser Stunde scheint keinen der Überfluss zu interessieren. In den Ecken und verbrauchten Loungemöbeln räkeln sich betrunkene Pärchen. Draußen wartet kein Fahrer in einer Limosine auf mich also steige ich in den Nachtbus und trinke meinen eigenartigen Bio-Drink, der nach Apfel und Pampelmuse schmecken soll.