Donnerstag, 28. Mai 2009

TERRA MADRE 2008

Ein Film über die Konferenz Terra Madre, auf der ich als Delegierter für Slow Food im Oktober letzten Jahres gewesen bin. Viele bekannte Gesichter und Erinnerungen an Erlebtes...



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"Ab und zu brauche ich Pausen, damit mir aufgrund der vielen Eindrücke nicht schwindelig wird. So sitze ich oft auf einer Decke auf dem Markt der Delegierten und schaue dem bunten Treiben zu. Hier haben viele der Teilnehmer von Terra Madre kleine improvisierte Stände aufgebaut und Kleinigkeiten aus Ihren Ländern mitgebracht. Alles, was noch mit ins Flugzeug nach Italien passte wird hier gezeigt und auf Wunsch auch gerne erklärt. Einige Musikinstrumente sind auch dabei, auf denen gespielt wird. Manchmal bilden sich kleine spontane Chöre.

Neben mir sitzt seine Mädchen aus Brasilien, die vor sich einen kleinen Haufen exotischer Früchte ausgebreitet hat. Sie bietet mir etwas von einer, nach Nusskrokant schmeckenden, Süßigkeit an. Ich erfahre von ihr, dass sie erst 17 ist und es sich um die kleinsten Kokusnüsse der Welt handelt. Zu hause im Amazonas machen sie daraus mit Rohrzucker Krokant. Sie reicht mir zwei Stücke, die soll ich mit nach Zuhause nehmen, sagt sie.

Später treffe ich auf dem Markt einen Inuit aus dem Süden Grönlands. Er erzählt mir zunächst vom traditionellen Walfang. Dann berichtet er was seine Familie alles aus dem kostbaren Fleisch macht und wozu die Knochen traditionell verarbeitet werden. Bis ins kleinste wissen sie was man aus dem Riesentier macht "so dass nichts verschwendet wird" sagt er.
Heutzutage gibt es vor der Küste kaum noch welche, die sie fangen könnten, berichtet er. Später erzählt er mir von der Wiese hinter seinem Haus, die letztes Jahr angefangen hat zu blühen, was sie noch nie getan habe. Andere Vögel würden auf der Insel landen und brüten und auch die wenigen Fische , die sie noch vor der Küste finden würden, wären neuerdings andere. Eine Delegierte aus Ghana klingt sich in das Gespräch ein und erzählt davon wie die Wüste Ihr Dorf eingefängt und das wenige Saatgut, welches sie versucht zu retten umso wichtiger würde. Zum Abschluss will die Frau aus Afrika zusammen mit dem Inuit und mir ein Foto machen.

Solche Erlebnisse passieren rein zufällig auf dieser Konferenz, an der ich seit mehreren Tagen teilnehmen darf. Im vorbeigehen sozusagen. Sie lassen mich nachdenklich und verstutzt zurück. Ein Gefühlsmix: aus Faszination über das Exotische und Unbekannte und soetwas wie Verantwortung und Schuld. Auch diese Seite gehört für mich in diesen Tagen zum Thema Essen dazu."