Mittwoch, 3. Juni 2009

Moorwerder Schmorgurke

„Hier die Schmorgurken - die sind aus Moorweder“, antwortet mir die Frau auf dem Markt in Hamburg Wilhelmsburg auf meine Frage, ob es an ihrem Stand auch regionales Gemüse gäbe. Dabei deutet sie mit Ihrem Arm in Richtung Westen. "Gleich von dort drüben" Da sollen sie herkommen.
Wir kaufen das große knubbelige Gemüse, das mein Gastgeber noch nie vorher gesehen oder gekocht hat. Schmorgurken kenne ich irgendwie von früher. Ich erinnere mich daran, dass es dazu immer irgendwas Sahniges gab, also wandert noch ein wenig Rahm in den Einkaufskorb. Nachdem wir ein wenig herumprobiert haben, gibt es am Abend eine leckere Cremesuppe von der Moorwerder Schmorgurke.

Ich kenne das Alte Land, ein großes Apfelanbaugebiet, das 30km aufwärts der Elbe liegt, trotzdem kann ich mir nur schwer vorzustellen, das wenige Kilometer von dem Zentrum Hamburgs Gemüse angebaut wird.
Tags drauf mache ich mich mit dem Fahrrad auf dem Weg zu meinem gestrigen Abendessen. Und tatsächlich brauche ich nur ca. 20 Minuten um aus der Stadt auf eine grüne Elbinsel zu kommen auf der viele reedgedeckte Häuser stehen. Abseits meiner Route finde ich eine Vielfalt von verschiedenem Gemüse: Salat, Rhabarber, viele frische Kräuter und auch ein paar Gurken unter Glashäuser. Manchmal, wenn ich mir nicht sicher bin, steige ich vom Rad ab und schaue mir die Sachen auf den kleinen Felder genauer an. Was ist Unkraut und was wird wohl essbar sein. Ich mache die ein oder andere überraschende Entdeckung.

Das einzige was die Ruhe stört ist das Grollen der nahen A1, die das Gebiet nach Westen begrenzt und die LKWs in den Hafen und die Autos ins Zentrum führt.
Auf dem Rückweg finde ich in einer kleinen Gaststätte ein Plakat auf dem gegen den Bau einer weiteren Autobahntrasse durch das Gebiet protestiert wird. Vielleicht sollten sich mehr Großstädter auf den Weg der Moorwerder Schmorgurke machen um zu sehen was hier in den nächsten Jahren verloren gehen könnte.

Moorwerder Salatfeld