Mittwoch, 24. Juni 2009

Otterndorf strikes back !

"Hinter Stade ist es nicht leicht, als Autofahrer besonders wach zu bleiben. Wiesen folgen auf einsame Bauernhöfe, manchmal ein Dorf mit verrammelter Gaststätte. Hin und wieder nur zwingt ein Trecker zum abrupten Bremsen. Gefühlte Stunden, bis ein Überholen möglich ist. Viel ist es ansonsten nicht, das auf der endlosen Bundesstraße 73 für Abwechslung sorgt. Eine gerade grüne Linie markiert auf der Fahrt zur Elbmündung die einzige Erhöhung in der flachen Landschaft: der hohe Deich, der das Land vor der Gewalt der anrollenden Nordseefluten schützen soll. "Keine Elbvertiefung" steht auf hölzernen Tafeln, die immer mal wieder neben der Straße in den feuchten Boden gerammt wurden. Und: "Wir wehren uns".

In Otterndorf endet plötzlich die B-73-Monotonie. Die Bundesstraße schlängelt sich durch eine Altstadt, die aus Dänemark hierhergepflanzt zu sein scheint: Fachwerk, Gassen, verschachtelte Ziegelhäuschen mit Kletterrosen-Ranken prägen das Bild. Fast peinlich laut hallt der Schritt auf dem Kopfsteinpflaster. "Rotenburg des Nordens", so wird die 600 Jahre alte Kleinstadt von ihren Bürgern stolz genannt.

Der Bürgermeister regiert hier seit fast 40 Jahren: Hermann Gerken ist 77 Jahre alt und von der FDP. Mit dem Vize-Landrat, einem ehemaligen Schuldirektor und Christdemokraten, und dem Verwaltungschef der Gemeinde begrüßt er die Besucher aus Hamburg. "Wir sind hier keine Revoluzzer", stellt Gerken gleich zu Beginn klar. Aber natürlich steht er hier regelmäßig mit einer Fackel in der Hand auf dem Deich. Der weißbärtige Vize-Landrat daneben, im Schulterschluss mit Kaufleuten, Bauern, Handwerkern und Umweltschützern. Demonstration gegen die Pläne von Bund und Hamburg, die den Fluss wieder einmal für große Schiffe ausbaggern wollen. "Doch mit Öko-Romantik hat das alles nichts zu tun, es geht hier um unsere blanke Existenz", sagt der Bürgermeister."
(...)
"In der Bäckerei Schröder wird "Deichbrot gegen Deichnot" verkauft. 2,50 Euro kostet es. 50 Cent davon gehen in die Kasse, aus der Bürgerinitiativen den Protest finanzieren. "Wir fühlen uns bedroht", sagt Bäckerei-Chefin Ulrike Schröder; in bunter Schürze steht die 41-Jährige auf einer Trittleiter und ordnet die Brote im Regal in eine gerade Reihe."


© Reportage von Axel Tiedemann für das Hamburger Abendblatt

Der ganze Artikel -> Die Angst hinterm Deich / Elbvertiefung: Warum sich eine kleine Stadt wehrt gibt's HIER


(für alle die es nicht wissen: otterndorf ist die wurstsack's Geburtsstadt)