Sonntag, 18. Oktober 2009

wurstsack @ Ostheim v.d. Rhön


Nach einer Biegung reißt der Himmel auf und Sonne fällt auf die herbstbunten Hänge
rechts und links vom regennassen Fahrradweg vor dem Sägewerk.
Noch einen Kilometer und ich bin im kleinen Städtchen: Ostheim vor der Rhön.
Mit dem Fahrrad biege ich rechts in die Altstadt ein. In der Ortsmitte findet ein Fest
statt. In der kleinen Stadthalle spielt eine bayrische Blaskapelle Marschmusik.
Ich bin weit der jüngste hier und werde von einer Gruppe feixender älterer Männer
beim Anschließen meines Fahrrads beobachtet.


Draußen gibt es eine Art Zwiebelkuchen, der hier Ploatz heisst und frisch ge-
backenes Brot mit Ostheimer Leberkäse, einer besonderen Spezialität, die nur hier
hergestellt wird. Drinnen wird gefeiert und dazu Wein, Federweißer und Bionade
gereicht.
Die Brauerei, in der das mittlerweile überall bekannte Getränk erfunden wurde be-
findet sich am Ende des Ortes. Mit dem Fahrrad sind es nur ein paar Minuten.
Überall stapeln sich hier die blauen Kisten und es fällt schwer zu glauben, dass
der Bionadedurst der Republik von hier aus gestillt werden könnte.
In einem kleinen Restaurant in dem ich Rast mache unterhalte ich mich mit der Wirtin.

"Letztens waren Amerikaner zu Gast", erzählt sie, "Geschäftsleute die zwei Programm-
punkte auf ihrem Reiseplan hatten: 1. München und das Oktoberfest und 2. Ostheim und
die Bionade-Brauerei." Sie hätten viel von einem „Potential für den internationalen Markt“
erzählt, sagt sie.


Ich frage ob sich durch den Boom um das Getränk etwas im Ort verändert hätte?
"Viele würde es schon wundern welche Kreise diese Limo zieht," sagt sie. „Noch
vor ein paar Jahren wären die ja fast pleite gegangen“, erzählt sie , „zu der Zeit
wurde dort aber nur Bier gebraut, wie in den anderen drei Brauereien in der Region
auch.“ (Aus der Rother Brauerei nur ein Dorf weiter kommt ein wunderbares
Apfelbier
) „Doch dann hatten sie die Idee mit der natürlichen Limo.“

Nun, wo der Erfolg da ist, wollen alle Bionade. Soviel, dass sie mit dem Abfüllen
nicht hinterher kommen, weiß Sie. „Sie mussten Unmengen Pfandgut nachkaufen“.
Sie erinnert sich an ein Zitat des Bionade-Erfinders aus Ostheim, das letztens in
der Zeitung stand: Er fühle sich sich wie eine fleißige Biene, die jahrelang um den
Dorfteich geflogen ist und immer ein wenig daran genippt hat. Nun sind die
Elefanten mit den großen Rüsseln da und trinken den Teich leer.


Leider gäbe es auch hier das übliche Phänomen der Abwanderung, erzählt sie
weiter. Junge Leute würden in die Stadt ziehen. „Die Elite ist schon längst weg“,
meint sie.
Mit dem Hinweis auf den Leberkäse vor mir, erzählt sie, dass der Sohn des Flei-
schermeisters , der diese Spezialität noch herstellt, bereits einem anderen Job in
der Stadt nachgehe und das Handwerk nicht weiter führen wird. Der Leberkäse,
der hier seit über 130 Jahren handwerklich aus Schweinefleisch der Region her-
gestellt wird
liegt nun mal nicht im Trend und ist nur sehr schwer in einem Club
in Berlin oder Hamburg vorstellbar.
Leider! zu wünschen wäre es ihm, denn er schmeckt wirklich sehr sehr lecker.