Sonntag, 29. November 2009

Wrap-Up

Laut der „Roadmap für die Zukunft“ sorgt die „kreativen Elite und die
Avantgarde" dafür, dass sich die Menschen für Nachhaltigkeit begeistern.
So ein Ergebnis des "Wrap-Ups", der Konferenz.
Ich habe zuviel Kaffee und zuviel des Biogetränks getrunken, das es hier
in rauen Mengen gibt.
Beim Händewaschen auf der Herrentoilette fällt mir auf, dass die Farbe
der Seife sich bei jedem Besuch zu ändern scheint. Vor mir vermischt
sich in der Plastikflasche gerade Rosa mit Grün in feinen Schlieren.
Neben mit steht die Klofrau, die gerade die Seifenreste zusammen
schüttet. Sie ist zwei Köpfe kleiner als ich, vielleicht Mitte 50, und trägt
einen weißen Kittel.
„Sie mischen hier also die Farben zusammen?!“, frage ich sie. „Ja“,
sagt sie. „Dit wäre doch Verschwendung wenn ick die Reste imma mit
den Plastedingern wegschmeißen würde“, erklärt sie mir. „Dit is so in
mir drinne.“ (sie macht weiter) „Früher, da hamm wa immer die klee-
nen Seifenstücken aufjehoben und dann in einen Stoffbeutel jesteckt,
da konnte man sich beim Baden immer super mit waschen! Heute
haste nur so Plaste dinger wo dit zeuch drin is“, erklärt sie mir mit
einem Achsel zucken.
Aber das war früher meint sie, heute wäre das ja alles egal; Es würde ja
nichts mehr kosten. Die Seifenreste im Beutel hätten immer prima
geschäumt, das weis sie noch.

Während wir uns an den Waschbecken unterhalten kommen immer
wieder Männer in schwarzen Anzügen von den Toiletten und waschen
sich neben uns die Hände.

Draußen, bei der Aftershow-Party gibt es unterdessen ein großen Bü-
fett mit allerhand Finger-Food von Shrimps-Spießen bis zu Blätter-
teigtaschen.

Die Frau im weißen Kittel auf der Herrentoilette erzählt mir nach einer
Weile auch, dass selbst beim Kochen früher nichts weggekommen sei.
„...hamm wa allet ausjekocht“, weiß sie. Manchmal hat sie nur Mark-
knochen gekauft und daraus eine Suppe gekocht. Das war sehr lecker,
sagt sie, „aber die mach ick heute nich mehr.“ Sie versucht unterdessen
den Wasserhahn zum laufen zu bringen. Nach dem auch ich sinnlos
drauf herumgehauen habe merke ich, dass die Sensorik, die hier den
Wasserfluss regelt, Umstände bereitet; So fuchteln wir beide einige
Sekunden mit den Händen im Becken, bis das Wasser anspringt.