Sonntag, 20. Dezember 2009

wurstsack zu Gast in Günter's Bioladen im Gängeviertel Hamburg



Günter ist "schon lange aktiv", sagt er. Immer dabei wenn es darum geht,
Aktivisten, Künstler und Protestler mit Bio-Gemüse zu versorgen. Er
selbst ist Rohkostler, das heißt er ist nur rohes Gemüse. Günter
sieht aus wie ein Gärtner, sowie man ihn sich vorstellt: Rauschebart, Hut
und Gummistiefel. Geboren ist er im Süden von Hamburg, "in der Heide",
wie er sagt.
Heute eröffnet er seinen Bio-Laden im Gängeviertel in Hamburg, das gerade
gegen seinen Beseitigung kämpft. Die alten Häuser sollen neuen Glas-
fassaden weichen, wie sie rund um die kleinen alten Häusern bereits aus dem
Boden schießen. Günter will "diesen Managern, die da wohnen" kein
Biogemüse verkaufen, sagt er. Die sind es seiner Meinung "nicht wert" gute
Lebensmittel zu bekommen, sagt er.
Er hat viele Kisten in den kleinen Raum gestapelt und verkauft daraus
denen in den Laden kommenden jungen Bewohnern (aus denen mitlerweile
Besetzer geworden sind) frisches Gemüse und Obst. Regionales hat er auch
dabei: viel Wintergemüse und auch Salat. Topinambur mag er besonders.
"Das müssen wir wieder populär machen", meint er, "...kennt ja keiner mehr".
Für mich füllt er zwei riesige Salattüten. "Und dann pack ich dir noch
das hier rein, hier, und noch was von dem Löwenzahn."
Ich fühle mich an die Marktschreier auf dem Hamburger Fischmarkt erinnert,
Nur das hier alles Bio ist, und nicht kurz vor dem Verfallsdatum wie dort.
Es ist kalt und Günter sorgt sich, dass die Orangen nicht gefrieren, denn
warm wird es erst, wenn sie hier fertig mit dem Umbau sind. Sofern sie nicht
vorher rausgeschmissen werden. Doch seit letzter Woche sieht es besser
aus, die Stadt Hamburg hat den Verkauf des Viertels rückgängig gemacht und
den Investoren gekündigt.
Heute Abend gibt es Salat: Löwenzahn, junger Spinat, Eichblatt, Topinambur,
junge Möhren, Endivien und vieles andere mehr aus Günters Bioladen.