Montag, 17. Januar 2011

wurstsack @ Domäne Mechthildshausen


Es gibt keine Fahrradständer - das ist das erste, was uns auffällt, als wir auf die Domäne kommen und einen Platz für unsere Drahtesel suchen.
Gleich neben der US-Militätbasis Wiesbaden liegt die Domäne Mechthildshausen.    

Die Domäne ist ein großer landwirtschaftlicher Betrieb auf dem nach Bioland-Kriterien Gemüse angebaut wird und Schweine, Hühner und Ziegen gehalten werden.
Auf dem Gut gibt es einen großen Biomarkt, eine Fleischerei, eine Bäckerei sowie ein Restaurant und eine Weinstube. Heute am Samstag ist alles voll. Schlangen bilden sich an den Tresen.

Wir erfahren, dass seit dem Dioxin-Skandal mehr Leute kommen würden – Eier sind zur knappen Ware geworden.



Im Gewächshaus kommen wir mit dem Leiter der Gärtnerei ins Gespräch. "Noch wächst nichts in den Gewächshäusern und auf den Feldern", sagt er. "...aber bald geht es mit Radieschen pflanzen los."

Die Hühner, erklärt er uns, sind eine Züchtung aus Halle an der Saale. Dort hatte man nach der Wende noch alte Rassenkreuzungen finden können. Im Westen war es schwer geworden da hier Hybridzüchtungen dominierten.




Die Kreuzung aus alten Rassen legt genauso viel wie die bemitleidenswerten Exemplare in den Käfigen und "Kleingruppen" der Industrie. Sie legen nicht immer so viele Eier aber vom Volumen her ist es fast gleich." berichtet er stolz - und dass alles ohne das übliche ernergiereiche Soja aus Brasilien.

Auf der Domäne fressen die Hühner vor allem Erbsen. Fett wird dem Futter auch zugegeben jedoch nur pflanzliches und aus biologischem Anbau. So wie es bei Bioland vorgeschrieben ist. Das ist wichtig für die Hühner, nicht nur als Nahrungsergänzung sondern vor allem damit das Futter nicht staubig wird. „Die Hühner kriegen sonst Astma“ klärt er uns auf.

Die Domäne ist auch ein Arche Hof auf dem alte Nutztierrassen erhalten werden
  
Wir essen Phantastisches in der Weinstube. Eine Wurstauswahl vom Gut und zwei Suppen: Kürbissuppe und Eintopf von der Domänen-Gans. Dazu gibt es für uns Riesling und frische Milch.

Phantastische Butter mit Brot aus der Bäckerei, die eine Tür weiter liegt, wird dazu serviert.

Bedient werden wir von jungem Personal mit internationaler Herkunft. Sie bedienen geschaffte Wochenendeinkäufer, bevor es im SUV oder Cabrio wieder in die Stadt geht.





Im Gespräch erfahre ich, dass nicht nur „die Elite“ hier einkauft sondern vor allem „viel Mittelklasse“.  Später machen wir Witze über die vielen „Mittelklassewagen“ von Porsche, Jaguar, BMW und Mercedes, die in den neusten Modellen auf dem Parkplatz stehen.

Ihr da oben im Bio-Paradies - wir da unten im Discounter.
Hier und Heute kann man dem Klischee nur schwer etwas entgegensetzen.
Fahrradständer wären vielleicht ein Anfang.