Sonntag, 3. Juli 2011

wurstsack @ manomama in Augsburg

Sina besucht wie ich alte Handwerker und Menschen, die noch wissen wie man gute und ehrliche Sachen herstellt ohne sie mit unnötiger Chemie vollzupumpen.
Nur besucht Sina eben keine Bauern, Metzger oder Käser, sondern Ledermacher, Knopfhersteller und Weber.


Manomama, so heißt Sinas Unternehmen, produziert sozial und ökologisch verträgliche Kleidung und das "innerhalb einer regionalen Wertschöpfungskette aus Süddeutschland."

Dafür braucht Sina viel Know-How von früher, und gräbt alte Produktionstechniken wieder aus, die, wie die alten Jobs ihrerer Näherinnen, der Globalisierung zum Opfer gefallen sind.
Viel habe ich gelernt über Stoffe, Fäden, Knopflöcher und nicht zuletzt die kleinen Knöpfe, die bei manomama nicht aus Plastik sondern aus Harz sind.

Sina hat zusammen mit ihrem Team mitlerweile so einige Preise gewonnen. Zeit sie an die Wand zu hängen war bis jetzt jedoch noch nicht, denn der Job täglich gegen die Windmühlen der Textilindustrie anzutreten ist zeitfressend und anstrengend.

Zum Schluss wurde ich noch vermessen, da ich eine Jacke aus der schönen braunen Wolle in Auftrag gegeben habe, die Sina in Bayern zusammensammelt.
Diese Wolle ist ein gutes Beispiel für die Idee hinter Manomama, deshalb zitiere ich hier Sina aus ihrem Blog....
 


"Die Manager-Generation Überraschungsei (Spiel, Spass & Spannung) hat in den letzten Jahren etwas geschafft, was mir erst heute durch das Telefonat mit einem Wollhändler, der sein Geschäft seit 60 Jahren betreibt, deutlich bewusst wurde: wir bezahlen vierfach für die Globalisierung. 

Wir bezahlen für die Auslagerung von KnowHow in ferne Länder, weil wir in unserem Land versäumten, in Bildung zu investieren. Wie bezahlen ausbeuterische Arbeitsbedingungen mit einem (hoffentlich) schlechten Gewissen. 
Wir bezahlen schadstoffbelastete Produkte (die in den Herstellungsländern völlig legal erstellt sind) mit unserer Gesundheit. Neu hinzugekommen heute: wir bezahlen Rohwaren zweimal. Wir kaufen am Herstellungsort billigste Wolle, gerne pestizid- und zeckenmittelverseucht, und haben bei uns zu Hause ökologische Wolle im Übermaß. Aber: wir können unsere Rohware nicht nutzen. Weil die Infrastruktur verloren gegangen ist. Weil es niemanden gibt, der die Rohware hier aufbereitet.
“Ach, da müssten sie einen LKW zu den ganzen Schäferlein schicken, die Wolle einsammeln…des dauert ja schon ewig…dann gibt’s hier niemanden mehr, der die Ware aufbereitet, müssten sie ins Ausland gehen…wieder zurück…ach…des lohnt sich nicht… Schaun’s…In meiner Firma schleusen zwei Leute 3,8 Millionen Tonnen Wolle weltweit pro Jahr durch…. so können sie hier noch überleben… Vom Auftragseingang bis zum fertigen Walkstoff vergeht ein Anruf in Südamerika und 28 Tage später ist in Bremen des Schiff da…”, erzählt mit der Wollhändler ohne Punkt und Komma. “Und was machen wir hier bitte mit der ökologischen Wolle?”, frage ich ihn.
“Ach, am besten, sollen die die Viecher abschaffen…braucht kein Mensch….”. Wertvolle, saubere, ökologisch einwandfreie Rohwaren als Konsequenz der Globalisierung einfach verrotten lassen? Das kann und will ich nicht akzeptieren. Diese Arroganz müssten unsere Kinder bezahlen.  Wenn wir jetzt beginnen, regionale, ökologisch vereinbare Produkte des täglichen Bedarfs zu kaufen, werden diese teurer sein. Teurer, weil wir nun nach Jahren des Überflusses und der “Geiz-ist-geil”-Mentalität gefordert sind, diese fehlende regionale wirtschaftliche Infrastruktur wieder mit aufzubauen. Darüber hinaus widerspiegeln sich im Preis faire Löhne. Der Weg zur radikalen Regionalität wird sicherlich nicht einfach, aber er wird sich lohnen: Wir werden mehr Transparenz, Sicherheit, Gesundheit und länger Freude am Gekauften erhalten. Klingt altbacken, ist aber der Schlüssel für eine echte Zukunft."

...nebenbei weis Sina auch gutes Essen und guten Wein zu schätzen und ist ein toller Koch und  Gastgeber!
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