Dienstag, 25. September 2012

Traditionsabbruch in Rekordzeit


Liebe Herr Schlagbauer (Vizepräsident des Deutschen Fleischerverbandes),

da schreiben Sie in Ihrem Editorial des aktuellen Fleischer-Handwerk Magazins „(...) es ist wichtig, sich auf unsere Traditionen und Wurzeln zu besinnen.“ Mit den Worten „Tradition Wandel Aufbruch“ sind Ihre einleitenden Worte überschrieben. Man spürt in den wenigen Zeilen, dass es Ihren „Kolleginnen und Kollegen“ aus dem Fleischerhandwerk schon mal besser ging. Verständlich angesichts des akuten Metzgersterbens und des zunehmenden Verkommens deutscher Wurstkultur zu billigem Discounter-Einheitsbrei.

Nur 30 Seiten später geht es im selben Magazin um „Rohwurst in Rekordzeit.“
Was Jahrhunderte lang von Fleischhandwerkern in mehrmonatiger Reifezeit zu einigartigen, traditionellen Spezialitäten, wie z.B. der Ahlen Wurscht gefertigt wurde, passiert mit der von Ihnen illustrierten Anleitung und der richtigen Pulverdosierung von „Prima Ferma Quick“ in nur 2 Tagen (sic!).

Dass diese Art des Wustmachens soviel mit Wurzeln und Traditionen zu tun hat, wie eine Dose Red Bull mit einem Glas handwerklich gebrautem Bier wissen Sie selbst. Das Fleischerhandwerk wird dieser Weg weiter ins Dunkle führen.

Wandel und Aufbruch erfordert Mut und Überzeugung. Bitte lesen Sie sich Ihre eigenen Zeilen noch einmal durch und inspirieren sie ihre Kolleginnen und Kollegen danach zu handeln, auch wenn dadurch Anzeigenkunden abspringen sollten. Konsumenten UND Metzger sehnen sich nach echter Tradition und Wurzeln zurück und nicht nach schnittfestem Wasser „in Rekordzeit“.