Montag, 4. März 2013

Es gibt keine Nicht-Köche

"Bist Du eigentlich Koch", werde ich in letzter Zeit häufiger gefragt.
Ja, ich bin Koch – so wie jeder von uns Koch oder Köchin ist. Es gibt keine Nicht-Köche. Jeder muss sich sein Essen zubereiten. Ob nun im Topf oder in der Mikrowelle.
Das einzige, was den einen vom anderen Koch unterscheidet ist die Häufigkeit oder die Intensität der Beschäftigung mit dem, was man sich tagtäglich einverleibt. Der eine Koch kocht für 1000sende, die andere Köchin "nur" für ihre kleine Tochter. Die geringe Zahl der Bekochten oder die Anzahl der Gänge ist jedoch kein Grund sich als minderwertiger Nicht-Koch zu begreifen. Kochen gehört zu uns wie die Sprache. Mundfaul kann man von Zeit zu Zeit sein, das Sprechen verlernt man deswegen nicht.

Beim Kochen haben wir uns allerdings an beständig brüllende Großmäuler gewöhnt.
Deswegen stumm zu werden habe ich nicht vor, auch wenn ich dem ein oder anderen bisweilen gerne zuhöre.
Sprechen lernt man durch Sprechen - beim Kochen verhält es sich ähnlich.
Einfach die Klappe zu halten und die anderen reden zu lassen ist hier, wie da keine gute Option.

Foto: ©Udo Tremmel
.

Kommentare:

  1. Sorry, auch wenn wir meist eine ähnliche Meinung zu Kochthemen haben, muss ich heute heftigst widersprechen. Weniger um den Beruf des Kochs von dem zu trennen, was wir selbst als kochen bezeichnen (darüber könnte man noch diskutieren), mehr um auf das Problem hinzuweisen, dass wir immer weniger Menschen in unserer Gesellschaft haben, die kochen wollen. Denn spätestens der, der Lasagne mit Mehrpferdsteuer in die Mikrowelle schiebt, ist ein Nicht-Koch!

    AntwortenLöschen
  2. Auch ich würde Herwig zustimmen. Wenn man das Einschieben einer Tiefkühlpizza in den Ofen als kochen bezeichnet, kann man genauso seinen Kindern abends aus der Bild-Zeitung vorlesen und das als "Wahrnehmung des Bildungsauftrags" bezeichnen. Es gibt da eine klare Grenze: Sobald mehr als eine Zutat involviert ist, kann man eine nahrungszubereitende Tätigkeit als kochen bezeichnen. Bei nur einer Zutat, die erwärmt oder mit kochendem Wasser übergossen wird, halte ich es für Euphemismus, vom Kochen zu sprechen.
    So gilt wohl die Zubereitung von Miracoli als Kochen, da man hier selbst das Tomatenmark mit Wasser und Würze vermengt, aber das ist dann auch schon die Mindeststufe!

    AntwortenLöschen
  3. Lieber Herwig, Lieber Phillip, mir ging es nicht um eine Bewertung was gutes oder was weniger gutes Kochen ist. Gefragt, ob ich Koch sei, werde ich vor allem von Menschen, die größtenteils nicht mit der Mikrowelle kochen. Doch auch für Sie ist es scheinbar enorm wichtig, dass ich ein Koch per Definition bin. Ich spüre da immer eine Art von Kategorisierung á la "der ist Koch, der darf das" vs. "ich bin kein koch ich darf/kann das nicht". Um diesen Umstand geht es mir, den ich als Tendenz für bedenklich halte. Kochutensilien wie Mikrowellen und Gerichte wie Tiefkühlpizzas können sicher auf die Dauer zu einer gewissen Stummheit und Taubheit führen, da gebe ich Euch recht.
    Das Bild einer Gesellschaft in der es Köche gibt, die es können und dürfen, und Nicht-Köche gibt, die es nicht können und im Grunde nicht legitimiert sind am Herd zu stehen, verwehre ich mich. Jeder ist Koch und sollte auch als solcher gesehen werden. Menschen die sich Lasagne in der Mikrowelle warm machen kochen für mich auch, nur in einem weitaus geringem Maße. Da blutet uns sicher das Herz weil wir mittlerweile wissen wie es 1000send Mal leckerer, gesünder und preiswerter geht. Diese Menschen sehe ich jedoch selten bei unseren Aktionen, die jedoch eigentlich genau für sie gedacht sind. Wir wollen ermutigen zu einer alltäglichen Kochaktivität, die über einen Drehknopf und ein Klingeln hinausgeht. Nur wenn sich ein Bild manifestiert, dass die "coolen Slow Foodies" als einzig legitime Köche erscheinen lässt und alle anderen, die noch vom Supermarkt abhängig sind sich dagegen als Nicht-Köche fühlen müssen, wird sich nicht's ändern. Ich würde mich ausgestoßen und außen vor fühlen, anstatt ermutigt den Löffel wieder selbst in die Hand zu nehmen. Ich bleibe dabei jeder ist ein Koch und sollte sich selbstbewusst an den Herd stellen auch wenn noch ab und zu die Mikrowelle bimmelt.

    AntwortenLöschen
  4. oh, lieber Wurstsack, das ist ein geniales Thema! Ich werde oft gefragt, ob ich Brauerin wäre. Ich antworte darauf meistens so etwas wie: Nö, ich kann mich informieren!
    Viele Fähigkeiten sind uns verloren gegangen, weil wir nicht von Kind auf lernen/beim Zuschauen wie etwas gemacht wird. Als ich mal ein Fundament verputzte, fragten die Nachbarn, wo ich das gelernt habe. Meine Antwort: Ich übe grad, habe nur oft gesehen, wie andere es machen.
    Zum Selbermachen gehört Das-es-sich-zutrauen. Wenn´s nicht sofort klappt, andere fragen.
    Ich habe nichts gegen die neue Einkunftsquellen der Foodies über Kurse, aber es ist schade, daß in den neuen Großküchen der Villen nicht einmal aufgetaut wird.

    AntwortenLöschen
  5. Mir ist das selbstverständlich vollkommen wurscht, ob Du Dich als Koch, Kommunikationsdesigner, kreativer Unternehmensberater, kulinarischer Kurator, Künstler, Aktivist, Autor, Fotograf, Blogger oder einfach als Mensch und Freund an unseren Herd stellst.
    Dein Umgang mit Lebensmitteln ist leidenschaftlich, authentisch und kreativ.
    Das allein ist entscheidend - und das schmeckt man.

    "Amateur: Lehnwort des 17. Jahrhunderts aus dem französischen amateur → fr mit der Bedeutung „Kunstliebhaber“, mit leicht verächtlichem Nebensinn; seit dem 19. Jahrhundert in der heutigen Bedeutung, dass jemand etwas nicht berufsmäßig tut. Das französische „amateur“ wiederum geht auf das lateinische Substantiv amator (dt.: der Liebhaber, der Verehrer) zurück. Dieses Wort leitet sich von dem lateinischen Verb amare (dt.: lieben) her."

    AntwortenLöschen