Montag, 22. April 2013

Liebes „Perfektes Dinner“,

für eine Spezialrunde der Sendung „Das perfekte Dinner“ suchst Du „Hobbyköche und Foodblogger, für die Kochen nicht nur ein tägliches Muss darstellt.“ 

„Sie lieben es,“ fragst Du mich, „Ihre Leser an ihrer Leidenschaft teilhaben zu lassen und geben gerne kulinarische Tipps? Sie möchten mit Ihren Fähigkeiten am Herd nicht nur andere Foodblogger, sondern auch die Fernsehzuschauer überzeugen?“

Damit triffst du eigentlich voll ins Schwarze. Für mich ist Kochen tatsächlich mehr als „ein Muss“ und ich rede gerne über gutes Essen – auch gerne vor dem Mikrophon oder der Kamera. Alles aus der puren Leidenschaft heraus andere an meinen Entdeckungen teilhaben zu lassen und im positiven Sinne für Genuss zu begeistern.

Leider habe ich nach der Lektüre Deiner Zeilen meine Zweifel, dass Du genau das mit mir vorhast. Nicht nur im Kreise meiner Leser, die ich nach Deiner Anfrage befragt habe, ob ich Dich zu mir nach Hause einladen soll, sondern auch bereits bei anderen Gästen an Deiner Tafel hast Du Dir einen eher zweifelhaften – ja gegenteiligen – Ruf erworben. Du bist demnach wohl mehr eine Klatschkulumnistin, die aus dem privaten Esszimmer ein inszenierte Dschungelcamptafel macht als eine inspirierende Tafelrunde, auch wenn bei Dir höchstwahrscheinlich keine Krokodilaugen serviert werden. Dennoch wird aus dem bewussten Fleischesser, der sich für eine verantwortungsvolle Tierhaltung einsetzt schnell der blutrünstige Vegetarierhasser, der am liebsten blutiges Steak für alle servieren will.

Kochen ist für Dich vor allem ein Wettbewerb bei dem es Gewinner und Verlierer geben muss, genauso wie Intrigen, Hinterhalt und Missgeschicke. Vor allem muss vieles zugespitzt werden. „Sonst ist wird es ja auch nicht spannend“ antwortest Du als Fernsehmensch sicher auf diese Bedenken. Ich glaube allerdings, das, was ich an einem „perfekten Dinner“ spannend finde würde, interessiert Dich überhaupt nicht.

Das nicht nur ich so denke, sondern schon andere Teilnehmer diese Erfahrung machen mussten kann man bereits im Netz nachlesen und hinter den Kulissen erfahren. Wie schwer Du es hast Mitmacher unter den Food-Bloggern zu finden erfährt man ebenfalls. Das, liebes perfektes Dinner würde mir zu denken geben.

Wir, die sogenannten Foodblogger, sind glaube ich schon einen Schritt weiter und laden lieber Menschen, Radio- und Fernsehmacher an unsere Tische, die es ernst meinen und vor allem uns ernst nehmen. Menschen und Medienmacher von denen man sich sicher ist, dass sie nicht an der nächsten Straßenecke gehässig über uns lästern oder bei denen man befürchten muss, dass sie einen nachträglich zum nerdigen Trottel oder zur nervigen Tussi stilisieren damit sie etwas Spannendes zu erzählen haben.

Wie spannend Essen sein kann, wenn man wirklich Interesse dafür hat, was auf dem Teller liegt, was dahinter steckt und wie man es zubereitet kannst Du in unseren Blogs nachlesen. Wir inszenieren hier nicht und brauchen auch keine Nebensächlichkeiten in die Höhe jazzen damit es spannend wird. Wir sind natürliche und keine inszenierten Persönlichkeiten. Von dieser Realität bist Du bislang meilenweit entfernt.

So, liebes perfektes Dinner, bleibt es bei einer Absage meinerseits.

Dennoch würde es mich freuen mit Dir über ein Format nachzudenken, dass kulinarische Leidenschaft für die Fernsehzuschauer spannend macht, ohne dass man es nachträglich spannend machen muss. Dazu lade ich Dich gerne zu einem Dinner an meinen Tisch ein. Ob es perfekt wird weiß ich nicht – aber es wird lecker sein, da bin ich mir sicher!

.