Freitag, 5. September 2014

„Das weiß doch eh jeder!“

Ein neues Argumentationsmuster ist bei den Lobbyisten der Lebensmittelindustrie auf dem Weg populär zu werden.

Wenn etwas als Verbrauchertäuschung entlarvt ist, darf man sich laut Christoph Minhoff (Chef-Lobbyist der Lebensmittelwirtschaft) nicht mehr darüber empören. Jeder weis ja jetzt, dass es falsch ist, also besteht keine Berechtigung mehr dies zu betonen, auch dann nicht, wenn der Schwindel weiter getrieben wird. So argumentiert er im Bezug auf die Abstimmung zur Werbelüge des Jahres der Organisation Foodwatch.

Mit der gleichen Argumentation könnte man sagen „Was regt ihr Euch so über Gammelfleisch auf, das stand doch schon letztens in der Zeitung und es weiß doch eh jeder, dass es überall drin ist.“ Ende der Diskussion.

„Was ist daran neu, dass man bei Fast Food belogen und betrogen wird – das weiß doch eh jeder?“
Diese Argumentation war auch hier im Blog in den Kommentaren zu meinem Bericht über den Besuch bei Burger King zu finden. Auch hier wurde argumentiert: „Warum regst du dich auf – das weiß noch eh jeder, was ist daran so schlimm?“ Doch nur weil es angeblich „jeder weiß“ macht es den Umstand nicht besser, dass es Betrug ist und verheerende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben kann.

Eine Verdrehung der Diskussion über unsere Lebens-Mittel

Doch dahinter steckt meiner Meinung noch mehr. Es ist eine krude Verdrehung der Diskussion um unsere Lebensmittel. Auf der einen Seite wird scheinbar akzeptiert, dass es diese Täuschungen, Lügen und Missstände in der Lebensmittelwirtschaft gibt – dem neuen Bewusstsein der Verbraucher wird so scheinbar Beachtung geschenkt – im gleichen Zuge wird uns „Verbrauchern“ jedoch das Recht aberkannt diese Missstände anzuprangern und verändern zu wollen. „Jeder weiß, dass es Gift ist – also bitte nicht mehr drüber aufregen. Jeder kann doch selbst entscheiden ob er es konsumieren will.“

Das Argument „weiß doch jeder“ ist beliebt, stimmt jedoch nicht, denn es weiß eben nicht jeder. Die Argumentation „weiß doch jeder“ kenne ich vor allem von denjenigen, die genau wissen, dass es eben nicht jeder weiß und von denen die genau damit ihre Geschäfte machen.

Es ist die gleiche Argumentation, wie die der Tabak-Industrie, wenn es um das Rauchen geht. Auch hier hat sie sich als unzulässig herausgestellt und wurde vom Gesetzgeber geahndet.

Solange betrügerische Lebensmittel nicht mit ausreichend großen Warnhinweisen versehen werden, die Werbung dafür nicht breitflächig verboten wird und die Abgabe nicht mehr an Minderjähre erlaubt ist, solange unterstütze die Aktionen von Foodwatch und nehme mir weiterhin mein Recht heraus mich über skandalöse Entwicklungen bei unseren Lebens-Mitteln zu empören.

Bleibt wachsam und empört Euch!